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ALBERT WATSON IST DER FOTOGRAF DES PIRELLI-KALENDERS “THE CAL” 2019

12 Aufnahmen, die das Leben von vier Frauen zwischen Sinnlichkeit, Entschlossenheit und Träumen erzählen.

Das Ziel des schottischen Fotografen Albert Watson, der den neuen Pirelli-Kalender 2019 gestaltet hat, war genau das: den Sehnsüchten der Frauen mit ihren Wünschen und den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten zu huldigen.
“The Cal”, wie der Kalender auch genannt wird, zu beschreiben, ist nicht einfach. Er dient nicht nur, um das Jahr in Tage und Monate zu unterteilen, sondern ist natürlich auch Ausdruck von Ästhetik, Mode und Marketing. Die Idee stammt aus dem Jahre 1964 und ist dem berühmten Reifenhersteller Pirelli zuzuschreiben, der das Firmenlogo außer mit den üblichen Werbegeschenken auch damit neu lancieren wollte: Eine kluge Entscheidung, die im Lauf eines halben Jahrhunderts voller Fotos und Kalenderausgaben zu einem echten Symbol geworden ist. Der Pirelli-Kalender ist dem Geistesblitz des Briten und damaligen Verantwortlichen des Pressebüros Derek Forsyth zu verdanken. Er beschloss, auf zwölf Seiten die zwölf weltweit am häufigsten verkauften Pirelli-Produkte zu veröffentlichen. Und so erlebte die Welt in den 60er Jahren die Bilder eines aufstrebenden Londoner Fotografen, der die Einzigartigkeit der Aufnahmen mit der Schönheit der Fotomodelle verschmolz, junger, attraktiver Frauen aus verschiedenen Ländern, die freizügig auf den damals angesagtesten Artikeln posierten.
Auch wenn die erste Ausgabe noch recht sittenstreng war, gab sie doch sofort den Weg frei für den schelmischen Aspekt, der „The Cal“ in all den folgenden Jahren charakterisierte. Gemeinhin mit Erotik in Verbindung gebracht basiert „The Cal“ auf einer Idealisierung der weiblichen Schönheit, wodurch er nicht grundlos zum Sprungbrett für berühmte Models, wie zum Beispiel Noemi Campbell, wurde. Ein ungewöhnlicher und revolutionärer Kalender, der in einer Zeit entstand, als die Abbildung einer Brust aus moralischer Sicht noch umstritten war. Es ist deshalb kein Zufall, dass die dadurch erreichte Aufmerksamkeit so groß war, dass der Name Pirelli in aller Munde war. Eine überzeugende Marketingstrategie, die aber auch beträchtliche soziale Verdienste beinhaltet. In den vielen Pirelli-Kalendern kann nämlich die Geschichte der Frau zurückverfolgt werden, von den breiten Hüften über winzige Bikinis bis hin zum Bagatellisieren wenn nicht sogar positiven Hervorheben von Falten und kleinen Mängeln. So viele Jahre Sozialgeschichte in jeweils 12 Fotos, die unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Und für 2019? Der Pirelli-Kalender für das neue Jahr enthält nicht einfach nur Aufnahmen, sondern richtige kleine Videos. Watson selbst definiert die 12 Monate als die Darstellung von vier Frauen mit ihren vier unterschiedlichen Lebensgeschichten. Jede dieser von bekannten Models dargestellten jungen Frauen zeigt Verletzlichkeit und Freude vermischt mit der ständigen Mühe, die das Streben nach Erfüllung der eigenen Wünsche mit sich bringt. Und so zeigt „The Cal“ 2019 den plastischen und verführerischen Körper von 4 Models in ihren intimsten Umgebungen, genauso wie die Intimität ihrer Seelentiefe, die dem Betrachter des Pirelli-Kalenders durch die Aufnahmen des schottischen Fotografen zuteil werden. Das Model Gigi Hadid verkörpert eine reiche Erbin, die gerade von ihrem Ehemann geschieden wurde, nun alleine in ihrer prunkvollen Wohnung weilt und nur durch die Anwesenheit ihres Freundes, des Modedesigners Alexander Wang, getröstet wird. Es geht um Frauen, die ihr Leben neu gestalten, dabei oft bei Null beginnen und wissen, dass sie ihr Leben wie ein Puzzle wieder zusammenfügen müssen und nur auf die Hilfe derjenigen zählen können, die ihnen nahestehen. Es sind zerbrechliche, aber doch starke Frauen, die sich für ihren Erfolg und ihre Wünsche einsetzen: so wie die Letitia Casta gewidmeten Fotos, die sie in ihrem Künstleratelier zusammen mit ihrem Partner, dem Tänzer Sergei Polunin, auf der unablässigen Suche nach der Perfektionierung ihres Könnens zeigen. Ein mitunter sogar fieberhaftes Streben nach Vervollkommnung, wie bei Misty Copeland, die als farbige Primaballerina an der Seite ihres Kollegen Calvin Royal III darum kämpft, zum zukünftigen Star des American Ballet zu werden. Hingabe, Stetigkeit und Schönheit außen, innen und rund herum: Aufnahmen wie die von Julia Garner, einem weiteren Model des Kalenders, die als junge Fotografin für Sujets aus der Botanik in einem üppig wuchernden Garten dargestellt wird, auch sie hegt den heimlichen Wunsch nach Erfolg.
Daher sind im Pirelli-Kalender 2019 nicht nur Nacktfotos und Fotos von Prinzessinnen auf der Suche nach ihrem Prinzen abgebildet, sondern der Wunsch nach Emanzipation und Selbstbestimmung. Nicht ohne Grund lautet sein Titel Dreaming, und damit ist weit mehr gemeint als nur die üblichen klischeehaften Träume der Frauen. Die 4 Models, die im Kalender mit Menschen, die ihnen nahestehen und von entscheidender Wichtigkeit sind, verewigt werden, arbeiten hart, um ihr Ziel zu erreichen und das Leben, das sie aus freien Stücken gewählt haben, auch mit vielen Entbehrungen zu verteidigen. Ein Kalender, der sich eingehend mit der Entwicklung der Gesellschaft von heute befasst und mit künstlerischer und moralischer Perfektion die Jahre, in denen wir leben und das Jahr, das wir nun beginnen, darstellt. Eine Mischung aus Hoffnung, Leidenschaft, Sinnlichkeit, Stärke und Melancholie, durch die die Ausgabe für 2019 zu einer der schönsten der letzten Jahre wird, eine Reise anhand von Fotos, die echte Kunstwerke sind.